Das Räuberkind

Endlich durfte das junge Räuberkind die Burg verlassen. Man ließ es voller Vertrauen in die nahe Umgebung ziehen, da es nun bereit war, sich im Wald zurechtzufinden. Zügigen Schrittes betrat es den Weg. Wie jeden Morgen ruhte das Wasser des Weihers – auf ihm spiegelten sich die ersten Sonnenstrahlen. Doch lange wollte das Räuberkind nicht bleiben, denn an diesem Tag hatte es großes vor: eine gigantische Hütte wollte es bauen.

Zuerst schlug es sich den Magen voll. Die anderen Räuberkinder waren auch dabei. Gut gesättigt tobten und tollten sie über die Wiese direkt in den Wald. „Sucht die größten Stöcke und sammelt alles Moos, das ihr finden könnt! Unsere Hütte soll die größte sein, doch die Bande darf sie nicht entdecken!“

Und die Hütte wurde groß, doch zwischen Moos und Bäumen blieb sie lange unentdeckt. Lange – doch nicht für immer: Feinde schlichen sich an und wollten die Fahne stehlen, denn eines galt als ungeschriebenes Gesetz: Ist man in Besitz der Fahne, gehört einem auch der Unterschlupf. Die Duelle begannen. Ein Teil blieb zurück und versuchte die Hütte zu verteidigen, die anderen strömten aus und übten Angriffe auf die Fahne der gegnerischen Bande aus. Am Ende gewann die stärkere Bande.

Irgendwann wurde es Zeit, Frieden zu schließen. Die Räuberkinder erholten sich von dem Kampf, indem sie eine Erfrischung im Wasser suchten. Mit ihrem selbstgebauten Floß legten sie vom Ufer des Weihers ab. An der dunkelsten, tiefsten Stelle konnte man aus der Ferne etwas erkennen. „Lasst uns nachsehen, was da ist!“ Voller Mut näherten sie sich dem fremden Objekt. Sie zogen ein langes Seil aus dem düsteren Wasser und wurden mit einem Schatz belohnt.

Leider musste auch dieses Abenteuer ein Ende finden. Die Dämmerung rief zur Nachtruhe auf. Alle Räuberkinder kehrten zurück nach Hause und nahmen die letzte Mahlzeit des Tages ein. In der Nacht träumten sie von all den vergangenen und den hoffentlich bevorstehenden Abenteuern des nächsten Tages.